Lehrforschung
Forschungsmethoden lernt man am besten, indem man sie anwendet. Wir gestalten unsere Lehrpraxis so, dass Studierende eigene Forschungsprojekte entwickeln und umsetzen können.
Forschungsmethoden lernt man am besten, indem man sie anwendet. Wir gestalten unsere Lehrpraxis so, dass Studierende eigene Forschungsprojekte entwickeln und umsetzen können.
Die Anwendungspotentiale von Künstlicher Intelligenz (KI) in Form von Large Language Models werden in der qualitative Sozialforschung lebendig und kontrovers diskutiert. Das Feld befindet sich aktuell in einer dynamischen Entwicklung. Viele Fragen, inklusive datenschutzrechtliche, forschungsethische und methodologische Aspekte, die mit der Nutzung der neuen Technologien verbunden sind, sind derzeit noch offen.
Das Lehrforschungsprojekt „Mit KI über KI qualitativ forschen“ am Institut für Soziologie der LMU München zielt darauf ab, ausgewählte Möglichkeiten der KI-unterstützten qualitativen Forschung gemeinsam mit Studierenden zu erproben und kritisch zu reflektieren: Wie angemessen und zuverlässig können qualitative Daten mithilfe von KI generiert, aufbereitet, zusammengefasst und gedeutet werden? Wie (gut) sind die Daten vor Missbrauch geschützt? Wie lassen sich die Risiken der Teilnahme an einer Studie, die KI-gestützte Technologien verwendet, einschätzen, minimieren und angemessen kommunizieren? Welche Verantwortung obliegt den Forschenden, die Outputs der KI jeweils kritisch zu prüfen und diese als Unterstützung eigener Forschungsaktivitäten (nicht jedoch als deren Ersatz) zu behandeln?
Studierende der Soziologie (BA/MA) erproben ein KI-gestütztes Interviewtool (Qualia, Causal Map Ltd, UK). Sie werden geschult, Prozesse der informierten Einwilligung mündlich und schriftlich umzusetzen und zu dokumentieren. Andere Studierende werden eingeladen, an einer Interview-Studie zu „Einstellungen zu KI“ teilzunehmen. Dabei besteht die Möglichkeit zu wählen, ob sie mit oder ohne KI interviewt werden wollen. Die, die sich für ein Interview mit KI entscheiden, werden anschließend von einem menschlichen Interviewer zu ihren Beweggründen und Eindrücken befragt. Teilnehmende der Studie können sich jedoch zu dem Thema „Studentische Einstellungen zu künstlicher Intelligenz“ auch gänzlich ohne Einsatz von KI interviewen lassen. Dadurch erhoffen wir uns, auch solche Perspektiven mit zu erfassen, die den neuen Technologien kritisch oder ablehnend gegenüberstehen.
Die Zielsetzung des Lehrforschungsprojekts umfasst demnach zwei Ebenen, eine methodologische und eine inhaltliche. Wir erhoffen uns, Antworten auf folgende Fragen zu finden:
Aus Eigenmittel des Instituts für Soziologie der LMU gefördert.
Eine qualitative Studie zum Alltag und Bedürfnissen queerer Menschen
Ausgehend von der Feststellung weitreichender Veränderungen in den letzten Jahren (politisch, kulturell, ökonomisch wie auch sozial), fehlt es an einem guten Überblick darüber, wie sich die Interessen und Bedürfnisse queerer Menschen in München verändert haben.
Mit den Nachwirkungen der COVID-19 Pandemie und deren gesellschaftlicher Bearbeitung haben sich Strukturen verändert, wie aber auch Beziehungsnetzwerke neue Formen angenommen. Thematisch sind gerade nach dem ‚Sommer der Migration‘ weitere Schwerpunkte dazugekommen, die sich in der Begleitung und Beratung unter anderem queerer Geflüchteter widerspiegeln und die eine neue Verstetigung erfahren haben. Veränderungen bringen oftmals auch neue Anforderungen mit sich.
Hier wird das Forschungsprojekt an den benannten und weiteren gesellschaftlichen Entwicklungen anschließen und im Rahmen einer Interviewstudie ab April 2024 gemeinsam mit einem MA-Seminar an der LMU München, Institut für Soziologie umgesetzt werden.
Seit dem Anstieg der Fluchtmigration aus Bürgerkriegsregionen wie Syrien oder Afghanistan wird viel über Flüchtlinge gesprochen. Qualitative Sozialforschung bietet eine Gelegenheit, mit ihnen zu sprechen und ihre Situation aus soziologischer Perspektive zu verstehen. Das qualitative Lehrforschungsprojekt „Junge Geflüchtete, Bildung und Arbeitsmarkt“ findet in Kooperation mit der Stadt München, Referat für Arbeit und Wirtschaft (RAW) statt. Das RAW möchte die Situation junger Geflüchteter in München besser verstehen – insbesondere im Hinblick auf ihre Integration in den Arbeitsmarkt – um geeignete Maßnahmen zur kommunalen Förderung dieser Prozesse zu entwickeln. Geplant ist zudem eine qualitative Panelstudie, mithilfe derer die Bildungs- und Berufskarrieren über einen Zeitraum von mehreren Jahren begleitet und untersucht werden. Das Lehrforschungsprojekt stellt eine erste explorative Erkundung des Feldes und der Situation junger geflüchteter Personen dar, um auf dieser Basis eine qualitative Panelbefragung zu konzipieren.
Auch 70 Jahre nach dem nationalsozialistischen Genozid an den europäischen Sinti und Roma ist das Wissen darüber an bayerischen Schulen bisher wenig präsent. Umso bedeutsamer ist der Versuch zu werten, mit neuartigen Materialien der politisch-historischen Bildung „Das Schicksal der europäischen Roma und Sinti während des Holocaust“ (2013) diese Lücke zu schließen. Hier setzt die Untersuchung an, geht es doch darum, diese Materialien hinsichtlich ihrer Resonanz an schulischen Lernorten im Rahmen eines Lehrforschungsprojekts soziologisch fundiert zu untersuchen. Das Projekt verfolgt dabei drei Ziele: Zum einen die Evaluation der vorhandenen Unterrichtsmaterialien über den Genozid an den Sinti und Roma in der schulischen Praxis und zum anderen und damit vermittelt die Erforschung von vorhandenem - auch antiziganistischem - Wissen über Sinti und Roma bei Schüler:innen und Lehrkräften in bayerischen weiterführenden Schulen.
Überdies geht es aber auch um eine Bestandsaufnahme der Vermittlung von Wissen über die Themen Nationalsozialismus und Shoa im Unterricht.
Zu diesen Zwecken haben Studierende des gleichnamigen Seminars im Sommersemester 2015 mit Schüler:innen und Lehrkräften an bayerischen weiterführenden Schulen, die im regulären Unterricht oder im Rahmen von Projekttagen mit den Materialien gearbeitet haben, leitfadengestützte Interviews durchgeführt. Diese werden nun im Rahmen des abschließenden Forschungspraktikums ausgewertet, diskutiert und für Veröffentlichungszwecke vorbereitet.