Abgeschlossene Projekte

Eine Auswahl schon abgeschlossener Projekte aus unserem Lehrbereich

Die Digitalisierung des Arbeitsmarkts

Intermediäre, Infrastruktur und institutioneller Wandel

Digitale Intermediäre haben weitreichende Transformationen der Vermittlungsprozesse am Arbeitsmarkt angestoßen: Online-Stellenbörsen (z.B. Monster, Stepstone) erleichtern die Stellensuche, Crowdworking-Plattformen (z.B. Upwork, Twago) organisieren Auftragsbeziehungen von Selbstständigen, Karrierenetzwerke (z.B. LinkedIn, Xing) eröffnen vielfältige Informations- und Kontaktmöglichkeiten. Unter Mitwirkung von traditionellen Intermediären, vor allem Zeitarbeitsunternehmen und Personalvermittlungsfirmen, schaffen sie eine neue Infrastruktur sowohl für die Personalvermittlung als auch für die flexible Beschäftigung von Freelancern und Online-Arbeitenden. Erforscht werden die Wechselwirkungen zwischen den Strategien der Intermediäre, den Operationsweisen der digitalen Infrastruktur und den institutionellen Rahmenbedingungen am Arbeitsmarkt. Ziel des Projekts ist die empirische Bestandsaufnahme dieses Transformationsgeschehens und die gesellschaftsanalytische Interpretation seines Veränderungspotenzials.

Die empirische Grundlage bilden Fallstudien von Intermediären und Entwicklungsszenarien der digitalen Infrastruktur, für die mit qualitativer Methodik Experteninterviews und Dokumentenanalysen durchgeführt werden. Die theoretische Rahmung erfolgt mit gesellschaftsanalytischen Konzepten von Plattformen und ihren intermediären Funktionen, die sich breit gestreut in der Arbeits-, Organisations-, Technik- und Wirtschaftssoziologie finden; die abschließende Interpretation nimmt auf institutionenanalytische Ansätze der Arbeitsmarktforschung Bezug. Die Fokussierung der Vermittlungsprozesse am Arbeitsmarkt ermöglicht grundlegende Forschungsbeiträge zur Soziologie intermediärer Organisationen, zum Wandel der Plattformökonomie und zur Flexibilisierung der Beschäftigungsverhältnisse.

Das Projekt wurde im Rahmen des Schwerpunktprogramms „Digitalisierung der Arbeitswelten“ von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert.

Laufzeit
9/2020 - 8/2024
Förderung
DFG, Schwerpunktprogramm „Digitalisierung der Arbeitswelten“ (SPP 2267)
Leitung
Prof. Dr. Hans Pongratz
Veröffentlichungen
Pongratz, Hans J. (2023): Die Beschäftigungsindustrie der Zukunft. Szenarion des Wandels der Such- und Vermittlungsprozesse am Arbeitsmarkt. Study 483. Düsseldorf: Hans-Böckler-Stiftung. https://www.boeckler.de/de/faust-detail.htm?sync_id=HBS-008638

Pongratz, Hans J. (2022): Matching: Impossible. Digitale Technologien und die Arbeit der Personalrekrutierung, AIS Studien, 15(2), S. 26-43.

Pongratz, Hans J. (2022): Plattformen auf dem Arbeitsmarkt. Digitalisierung und Diversifizierung in der Beschäftigungsindustrie. In: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, https://doi.org/10.1007/s11577-022-00831-w

Pongratz, Hans J. (2021): Die digitale Beschäftigungsindustrie als global expandierende Branche, in: WSI-Mitteilungen 74 (4) , S. 263-273

EMPOW

Vulnerabilität und Empowerment: Partizipative Ansätze der Gesundheitsförderung mit Geflüchteten

Das EMPOW-Projekt zielt darauf ab, gemeinsam mit geflüchteten Personen an drei Standorten (Berlin, Hannover, München) Gesundheitsförderung für Menschen mit Fluchterfahrung zu entwickeln. Dem partizipativen Forschungsansatz entsprechend werden Geflüchtete als Co-Forschende und Community-Partner*innen beteiligt. Neben dem LMU-Team sind zudem Einrichtungen des Sozial- und Gesundheitswesens und der Zivilgesellschaft als Partner*innen beteiligt.

Theoretischer Hintergrund

Das Konzept der Vulnerabilität erfüllt eine zentrale Funktion in Public Health: Es dient der Bestimmung von Gruppen, die eine gezielte Unterstützung und einen besonderen Schutz benötigen. Das Konzept entfaltet in seiner praktischen Anwendung jedoch ambivalente Effekte, da es als „label“ verwendet wird, das ungleiche Machtverhältnisse festschreibt und bestehende Heterogenität/en innerhalb der Gruppen vernachlässigt und so dazu beiträgt, die Handlungsfähigkeit der Gruppen tendenziell zu unterschätzen.

Das EMPOW-Projekt zielt darauf ab, das Konzept der Vulnerabilität weiter zu entwickeln und dabei ein besonderes Augenmerk auf die Perspektiven von geflüchteten Gruppen selbst und deren individuelle und kollektive Handlungsfähigkeit (Agency) und Selbstermächtigung (Empowerment) zu legen. Das Projekt verspricht nicht nur Erkenntnisse über gesundheitsbezogene Verletzbarkeit und Ermächtigungsprozesse, sondern auch über Formen des „benevolent othering“, also wohlmeinende Konstruktionen von Geflüchteten als „andere“, die helfende Beziehungen und auch Forschungsbeziehungen prägen können.

Das Konzept der Gesundheitsförderung bietet die Möglichkeit, soziale Determinanten in den Blick zu nehmen und das mentale, körperliche und soziale Wohlbefinden von Geflüchteten auf vielfältige Art und Weise in den Settings und

Ziele:

  • Lebensweltliche Gemeinschaften, gesundheitsbezogene Bedarfe und Ressourcen ausgewählter Gruppen mit Fluchterfahrung an drei Standorten partizipativ und community-basiert analysieren
  • Gemeinsam praktische Maßnahmen der Gesundheitsförderung für Menschen nach der Flucht entwickeln (Praxis)
  • Verstehen, wie Vulnerabilität (Verletzbarkeit), Othering und Empowerment von Menschen mit Fluchterfahrung im Hinblick auf ihre Gesundheit erlebt werden (Theorie)

zur partizipativen Forschung

Partizipativ zu forschen bedeutet, die Menschen, um die es geht, mit Entscheidungsmacht am Prozess zu beteiligen. Ziel ist es, soziale Wirklichkeit besser zu verstehen und zu verändern: gesellschaftliche Teilhabe soll gestärkt und soziale und gesundheitliche Benachteiligungen sollen abgebaut werden. Der Ansatz der community-basierten partizipativen Forschung legt einen Schwerpunkt auf lebensweltliche Gemeinschaften (engl. communities). Im EMPOW-Projekt werden Menschen mit Fluchterfahrung als Co-Forschende und Community-Partner*innen beteiligt: sie bestimmen die Themenwahl, die Zielsetzung, das methodische Vorgehen, die Auswertung und die Entwicklung praktischer Maßnahmen der Gesundheitsförderung an den drei Standorten wesentlich mit. Partizipative Forschungsmethoden, die zur Anwendung kommen (können), reichen von kunstbasierten Methoden, über Community-Mapping und Photovoice bis hin zu regulären Methoden der empirischen Sozialforschung.

Forschungsgruppe PH-Lens: Refugee migration to Germany: a magnifying glass for broader public health challenges (Koordination: Oliver Razum, Universität Bielefeld)

Standorte und Partnereinrichtungen

  • Berlin: "Global Empowerment and Development Association (GEDA) e.V." und "Projekt Afrikaherz"
  • Hannover: Landesvereinigung für Gesundheit und Akademie für Sozialmedizin Niedersachsen e.v. (LVG & AFS)
  • München: Refugio München

Laufzeit
9/2019 - 10/2022
Förderung
DFG - Deutsche Forschungsgemeinschaft
Team (LMU)
Anna Huber
Dennis Odukoya
Prof. Dr. Hella von Unger
Anna-Natalia Koch
Veröffentlichungen
von Unger, Hella (2023): Vulnerability and Empowerment: Participatory Approaches to Health Promotion with Refugees (EMPOW). Bielefeld: PH-LENS Working Paper Series No. 7, doi.org/10.4119/unibi/2985393

ZOMiDi

Zivilgesellschaftliche Organisationen und die Herausforderungen von Migration und Diversität: Agents of Change

Das BMBF-geförderte Forschungsprojekt untersucht, wie und wodurch zivilgesellschaftliche Organisationen sich in Auseinandersetzung mit Migration und gesellschaftlicher Vielfalt verändern. Ziel ist es, das Spannungsverhältnis von Veränderung und Beharrung mit einem Schwerpunkt auf Bedingungen und Akteur*innen, die Veränderung in Richtung von mehr Offenheit, Vielfalt und Partizipation vorantreiben, zu untersuchen. Der Fokus liegt auf Organisationen, für deren Identität Differenz und Teilhabe konstitutiv sind, da sie bestimmte potentiell benachteiligte Bevölkerungsgruppen vertreten.

Es handelt sich um ein dreijähriges Verbundprojekt, das in Zusammenarbeit mit dem Max-Planck-Institut zur Erforschung multireligiöser und multiethnischer Gesellschaften in Göttingen (Prof. Dr. Karen Schönwälder) und der Humboldt-Universität in Berlin (Dr. Serhat Karakayali) durchgeführt wird.

Als Praxis-Partner*innen sind folgende zivilgesellschaftliche Organisationen beteiligt: Bundesverband der Lebenshilfe e.V., Lesben- und Schwulenverband in Deutschland e.V. (LSVD), Vereinte Dienstleistungs-Gewerkschaft (ver.di), sowie die Deutsche Aidshilfe e.V. (DAH). Das Teilprojekt der LMU zum Thema „Gesundheit und HIV/Aids“ ist für die Forschung im Verband der Aidshilfen (DAH) zuständig.

Das methodenplurale Studiendesign beinhaltet Dokumentenanalysen, qualitative Interviews, Gruppengespräche, Mapping-Verfahren und teilnehmende Beobachtungen.

Partnereinrichtungen

  • Bundesverband der Lebenshilfe e.V., Berlin/Marburg
  • Deutsche AIDS-Hilfe e.V., Berlin
  • Lesben- und Schwulenverband in Deutschland e.V. (LSVD), Köln
  • Vereinte Dienstleistungs-Gewerkschaft ver.di, Berlin

Laufzeit
2/2018 – 1/2021
Förderung
BMBF
Team (LMU)
Prof. Dr. Hella von Unger
Dimitra Kostimpas, M.A.
Michael Schönwolff, B.A
Wissenschaftliche Partner*innen im Gesamt-Verbund
Prof. Dr. Karen Schönwälder (Koordination), Max-Planck-Institut zur Erforschung multireligiöser und multiethnischer Gesellschaften, Göttingen

Dr. Serhat Karakayali, Humboldt-Universität, Berlin

Dr. Helen Baykara-Krumme, Universität Duisburg-Essen

Sanja Bökle, Max-Planck-Institut zur Erforschung multireligiöser und multiethnischer Gesellschaften, Göttingen
Dr. Yvonne Albrecht, Humboldt-Universität, Berlin

Dr. Vanessa Rau, Max-Planck-Institut zur Erforschung multireligiöser und multiethnischer Gesellschaften, Göttingen

Kategorien im Wandel

Migrant/innen in epidemiologischen, präventiven und rechtlichen Diskursen zu HIV und Tuberkulose. Ein Ländervergleich (D/GB)

Seit den 1990er Jahren wird in den Gesundheitswissenschaften vermehrt Wissen über Migrant/innen im Kontext von Gesundheit und Krankheit generiert, insbesondere zu übertragbaren Infektionskrankheiten. Die epidemiologischen Kategorien und Klassifizierungen, mit denen dieses Wissen hergestellt wird, befinden sich im Wandel - sowohl in Deutschland als auch in anderen europäischen Ländern. Auf EU-Ebene finden aktuell Bestrebungen statt, die Kategorien und Klassifizierungen anzugleichen, mit denen Daten über Migrant/innen und ethnische Minderheiten erhoben werden.

Ziel des 3-jährigen Forschungsprojektes ist es, diesen Wandel der Kategorien aus soziologischer Perspektive zu untersuchen. Diskursive Praktiken der Epidemiologie werden am Beispiel von zwei Infektionskrankheiten, HIV/Aids und Tuberkulose, aus wissenssoziologischer und diskursanalytischer Sicht im Ländervergleich (Deutschland/Großbritannien) analysiert, um die Kategorien, mit denen jeweils Wissen über Migrant/innen hergestellt wird, zu rekonstruieren. Es wird zudem nachvollzogen, wie die Kategorien in präventive und rechtliche Diskurse einfließen und Machteffekte entfalten, z.B. in Einreise-/Test- und Aufenthaltsbestimmungen oder in Zielgruppen-Definitionen der Prävention. Das Projekt leistet damit einen Beitrag zum Verständnis der Sozialität von epidemiologischem Wissen und seinen Auswirkungen. Der Vergleich von Akteursformationen und Sprecherpositionen gibt Aufschluss über die bislang noch nicht erforschte Dynamik des Wandels der gesundheitswissenschaftlichen Kategorien.

Das methodische Vorgehen orientiert sich am Forschungsprogramm der wissenssoziologischen Diskursanalyse (WDA) und schliesst Elemente der Grounded Theory Methodologie und der Situations-Analyse mit ein. Das empirische Vorgehen umfasst Dokumenten-Analysen (Gesundheitsberichterstattung, Präventionsmaterialien, rechtliche Bestimmungen, etc.) und Expert/innen-Interviews in Deutschland, Großbritannien und auf EU-Ebene.

Laufzeit
9/2012 – 9/2015
Förderung
DFG - Deutsche Forschungsgemeinschaft
Team
Prof. Dr. Hella von Unger
Penelope Scott, PhD
Dr. Dennis Odukoya

Abgeschlossene Dissertationen

TitelVerfasser*in
Zwischen Hilfebedürftigkeit und Selbstständigkeit Positionierungen von Existenzgründer/-innen nach dem SGB IILisa Abbenhardt
Biographische Orientierungen im Bildungsverlauf. Eine rekonstruktive Studie zu jungen Chines/-innen im städtischen ChinaYvonne Berger
Geflüchtetenproteste und Gewerkschaften: Positionen – Begegnungen – ErwartungenOskar Fischer
Partner oder Kritiker? Zur Rolle von NGOs im MigrationsregimeAnna Huber
Rechtsextreme Gewalt in deutschen Printmedien im Wandel der Zeit . Eine geschichtssoziologische Analyse der Berichterstattung zur Mordserie des „ Nationalsozialistischen Untergrunds“ (NSU)Felix Marcinowski
Gesundheit und Sicherheit: Systematische Gesundheitsuntersuchungen von Migrant/innen auf Infektionskrankheiten in Deutschland und GroßbritannienDennis Odukoya
How Female Afghan Refugees in Germany Navigate Reproductive HealthNaseem Tayebi
Nachhaltigkeit und sozial-ökologischer Wandel – Eine Grounded-Theory-Studie in ländlichen AlpengemeindenJana Türk